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Traumatische Erlebnisse, häusliche Gewalt, die Scheidung der Eltern oder eine seelische Beeinträchtigung des Kindes: Gründe für eine professionelle Familienhilfe gibt es viele. Doch wie genau gestaltet sich die Arbeit als Familienhelfer:in? Wir geben einen kleinen Einblick.

„Am Anfang habe ich immer gesagt, ich bin wie die Super-Nanny – nur in Richtig“, erzählt Ruth Podlinski, stellvertretende Abteilungsleiterin der Hilfen zur Erziehung bei Therapon24. „Aber gerade dieses Klischee, dass jemand in die Familie kommt und dann plötzlich alles gut wird, stimmt nicht. So einfach ist es nicht.“ Sie arbeitet seit sechs Jahren im Bereich der Jugendhilfe und hat schon viele Familien begleitet. Einen festen Arbeitsalltag hat sie jedoch nicht. „Nur unsere Teamsitzung dienstags steht fest, der Rest ist jeden Tag anders.“

Das Kind steht an erster Stelle

In den ambulanten Hilfen zur Erziehung stehen die Familien mit ihren individuellen Problemen und Voraussetzungen im Vordergrund. So richtet sich diese Hilfe zum Beispiel an Familien, in denen die Eltern oder Jugendlichen Probleme mit Alkohol- oder Drogenmissbrauch haben. Aber auch bei häuslicher Gewalt, Konflikten der Eltern oder wenn ein Familienmitglied eine geistige Beeinträchtigung hat, kann die Familienhilfe unterstützen. „Im Idealfall stellen die Eltern selbst einen Antrag beim Jugendamt, wenn sie der Meinung sind, dass sie Hilfe benötigen“, erklärt Familienhelfer Luis Maraver. Jede Familie hat zunächst das Recht auf eine kostenlose Beratung durch das Jugendamt. Das Wohl des Kindes steht in jedem Fall an erster Stelle. Oft ist die Familienhilfe der letzte Schritt um zu verhindern, dass ein Kind aus der Familie genommen werden muss.

Hilfe zur Selbsthilfe

„Das Ziel unserer Hilfe ist immer, die Familien soweit möglich in einem selbstständigen Zustand zu hinterlassen“, erklärt Podlinski. „Es ist sehr unterschiedlich, wie das gelingt.“ Entsprechend ist das Aufgabenfeld der Familienhelfer:innen breit gefächert: Während die eine Familie Unterstützung in Erziehungsfragen benötigt, müssen die Familienhelfer:innen in anderen Familien im Kontext von Traumata arbeiten oder Krisenintervention betreiben. Manchmal ist die Arbeit speziell mit dem Kind notwendig, manchmal muss die ganze Familie mit einbezogen werden. Was genau die Arbeit mit der Familie beinhaltet, wird zu Beginn in einem sogenannten Hilfeplan festgehalten. Darin steht, wie oft und wie lange pro Woche die Familie eine Hilfestellung benötigt und was die konkreten Ziele für die gemeinsame Arbeit sind. Danach fragt das Jugendamt Träger wie Therapon24 an, um eine:n geeignete:n Helfer:in für die Familie zu finden. Diese:r besucht die Familie dann je nach Vereinbarung ein bis viermal wöchentlich für bis zu vier Stunden.

Es kann jeden betreffen

Die typischen Klischees kennen wir alle – nicht zuletzt durch verschiedene TV-Formate, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. „Ein Klischee ist, dass nur Hartz-IV-Empfänger eine Familienhilfe benötigen“, sagt Maraver. „Die Wahrheit ist: Das sind auch Lehrer, Ärzte und Anwälte.“ Es gibt viele Familien, die mit beiden Beinen fest im Leben stehen und dennoch aufgrund besonderer Belastungen Unterstützung benötigen. Dieses Phänomen ziehe sich durch alle Schichten, so Maraver. „Dass es sich meist um Familien mit Migrationshintergrund handelt, ist auch ein Klischee, das ich aus meiner Sicht nicht bestätigen kann“, erklärt er.

Ein Beispiel: Paarkonflikte

Ein Phänomen, das beispielsweise in allen Bevölkerungsschichten auftreten kann: Das Kind zeigt renitentes oder aggressives Verhalten. Oftmals liegt hier das Problem gar nicht beim Kind direkt. Unser Team ist der Ansicht: Kein Kind kommt böse auf die Welt. Das ist oft ein gescheiterter Lösungsversuch des Kindes. Hier ist es wichtig herauszufinden, welche Lösung das Kind herbeizuführen versucht. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn es zwischen den Eltern Konflikte oder gar eine Trennung gibt. Das Kind versucht dann, die Aufmerksamkeit der Eltern auf sich zu ziehen, um deren Streitigkeiten zu verhindern. Es ist wichtig, die Eltern dafür zu sensibilisieren, sie zu einem Perspektivwechsel zu ermutigen und Glaubenssätze zu hinterfragen. Die Arbeit mit den Eltern steht dann im Vordergrund. Gemeinsam mit dem Paar entwickeln die Familienhelfer:innen Strategien zum Wohle des Kindes. Wie kann die Kommunikation innerhalb der Familie verbessert werden? Welche Formen von Beziehungen gibt es? Wie können die einzelnen Familienmitglieder Grenzen setzen und die der anderen respektieren? Welche Skills zur Impulskontrolle gibt es? Eventuell auch: Welche Maßnahmen zur Gewaltprävention sind notwendig?

Ambulante Hilfen zur Erziehung bei Therapon24

Egal ob eine potenzielle Kindeswohlgefährdung vorliegt oder es um die Beratung in Erziehungsfragen geht: Schnelles Handeln ist in der Familienhilfe wichtig. „Wir geben innerhalb von 24 Stunden eine Rückmeldung, wenn wir eine Fallanfrage bekommen. Ich weiß, dass das bei anderen oft bis zu sieben Tage dauert oder es gar keine Rückmeldung gibt“, erklärt Podlinski. Im Team der ambulanten Hilfen zur Erziehung bei Therapon24 kommt es nicht nur auf die fachlichen Qualifikationen an: Die Familienhelfer:innen haben unterschiedliche thematische Schwerpunkte, sodass wir ein breites Spektrum an Familien begleiten können. Dazu zählen unter anderem die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Straffälligen, Geflüchteten und Menschen mit körperlichen, geistigen oder seelischen Beeinträchtigungen. Außerdem bringt unser Team Erfahrung in Deeskalation, Antiaggressionstraining, Mobbingprävention/-intervention und Krisenintervention mit. Im Bereich der Familienhilfe spielt auch Kinderschutz eine große Rolle. Entsprechend verfügt unser Team über zertifizierte Kinderschutzfachkräfte.

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