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      Die Arbeit mit Menschen mit Autismus im Rahmen der Schulbegleitung

       

      Wie funktioniert das und wie schwierig ist diese Arbeit?

      Das sind Fragen die mir viele Leute stellen, wenn ich Ihnen das erste Mal von meinem Beruf Schulbegleiter erzähle.

      Diese und noch weitere Antworten möchte ich gerne in diesem Artikel erläutern. Zuerst zu meiner Person, mein Name ist André Coldehoff, ich bin 27 Jahre alt und durfte in meiner Laufbahn schon 10 Jahre wertvolle Arbeitserfahrungen sammeln. Ich war in verschiedensten Institutionen tätig und habe mit psychisch, geistig und körperlich beeinträchtigten Menschen gearbeitet. Darunter auch mit Senioren, die an Demenz erkrankt sind.

      Seit 2 Jahren ist es meine Aufgabe einen inzwischen 16 Jahre alten Schüler mit dem Asperger-Syndrom in die Schule zu begleiten und ihm auf dem Weg zum Hauptschulabschluss zur Seite zu stehen.

       

      Wie funktioniert das?

      Es funktioniert ausgesprochen gut, wenn man in der Lage ist, sich auf den Schüler gut einzustellen und stets offen und interessiert bleibt.

      Natürlich geht das nicht von heute auf morgen. Man arbeitet dabei nach dem Motto „Kennst du einen Menschen mit Autismus, kennst du einen Menschen mit Autismus!“ Kein Mensch mit Autismus ist gleich und man kann seine Erfahrungen mit einem Kind nur sehr begrenzt in der nächsten Begleitung nutzen. Dabei stellt man schnell fest, dass es keine ultimative Formel oder Praktik gibt, die sich bei allen Kindern mit Autismus einheitlich anwenden lässt.

      Im Laufe der Arbeit lernt man durch Gespräche und Beziehungsarbeit mit dem Kind die verschiedenen Aspekte kennen – Tagesablauf, Rituale, Hobbys und Interessen, aber auch Schwierigkeiten und No Go’s. Das Meiste erfährt man im Unterricht und in den Pausen. Auch durch die verschiedenen Aufgaben die man als Schulbegleiter je nach Bedarf des Kindes übernimmt.

      Ich sage dazu gerne, dass man als Schulbegleiter in verschiedene Rollen schlüpft. Man ist in vielen Fällen ein Übersetzer: wir übersetzen die Motivation der Lehrkraft in die Sprache des Schülers, damit er seine Aufgabe beginnt oder beendet. Wir übersetzen oder wiederholen so oft, bis unser Schüler sie nachvollziehen kann. Wir sammeln aber auch seine Aufmerksamkeit wieder ein und lenken sie auf die Aufgaben, die gerade zu bearbeiten sind. Oft bin ich man auch der, der sich um die Trauer, die Wut oder die Ängste des Kindes kümmert und ein offenes Ohr anbietet.

      Das sind nur einige der vielen Rollen. Und ich darf sie nicht spielen, sondern lebe sie in der jeweiligen Situation. Sonst bin ich nicht ich und das merkt mein Schüler sofort.

      Meinen 16-jährigen Schüler begleite ich momentan durch die Hauptschulklasse mit dem großen Ziel, den Abschluss zu schaffen. In dieser Zeit gab es viele Momente, bei dem er ans Aufgeben gedacht hatte, weil er mit einigen Fächern überfordert war und ihm der Unterrichtsstoff schwerfiel. Aber mein Schüler und ich, wir gehen den Weg gemeinsam, wir sitzen im selben Boot. Egal ob zu großen Zielen, wie dem Schulabschluss oder zu kleineren Zielen, wie einem Schulausflug. Denn jedes Ziel, sei es auch noch so klein, kann für meinen Schützling sehr schwierig sein. Dabei hilft es ihm enorm zu wissen, dass er den Weg nicht alleine gehen muss.

      Immer dann, wenn sich Situationen vom routinierten Tagesablauf abheben, wirkt das auf Menschen mit Autismus unheimlich und führt zu Unsicherheit. Selbst kleinste Veränderungen sorgen für vermeintlichen Kontrollverlust.

      Menschen mit Autismus haben ein viel schärferes Auge für Details. In diesen Situationen ist es wichtig, dass ich als Schulbegleiter Struktur und Sicherheit vermittle. Das kann zum Beispiel durch eine Erklärung funktionieren, damit hat mein Schützling dann wieder einen sicheren Anhaltspunkt und kann sich orientieren. Dadurch wird ein gutes Arbeits- und Klassenklima geschaffen, weil das Kind sich mental auf die neue Situation einstellen kann.

      Es ist wichtig, dass sowohl die Eltern, die Lehrer, das Jugendamt und auch die Sozialdienstleister auf einem Wissensstand sind, um das Kind gemeinsam optimal zu unterstützen.

      Es finden auch immer wieder Hilfeplangespräche statt, in diesen werden dann Rahmenziele beschlossen. An so einem Hilfeplangespräch nehmen alle beteiligten Parteien teil, im besten Falle also: Schulbegleiter*in, Klassenlehrerin*in, Koordinator*in, Eltern und ein/e Mitarbeiter*in des Jugendamtes. Zusammen werden gezielt die Förderbedarfe des Kindes gesucht und Ziele definiert. Diese Hilfeplangespräche erleichtern auch meine Arbeit als Schulbegleiter, denn dadurch kann ich gezielter Arbeiten und das Kind da unterstützen, wo es die Hilfe am nötigsten hat. Um diese Ziele nachzuhalten schreibe ich monatlich Tätigkeitsberichte, um den aktuellen Stand festzuhalten und das nächste Hilfeplangespräch gezielt vorzubereiten.

       

      Ist diese Arbeit schwer?

      Eine einfache Frage, auf die ich keine zufriedenstellende Antwort geben kann, denn es kommt auf die eigene Persönlichkeit und Einstellung an. Wie wirkt man auf das Kind? Wie steht man zu sich selbst? Stimmt die Chemie zwischen Schulbegleiter und dem Kind? Was sind die Hindernisse, die man zusammen bewältigen muss?

      Am wichtigsten ist, keine Angst zu haben, in das sprichwörtliche Boot zu steigen und die Reise anzutreten.