Intensiv & Palliativ Care – Begleitung in der letzten Lebensphase

Wer den Raum betritt, in dem Frau Weber* seit einigen Monaten gepflegt wird, nimmt zuerst das rhythmische Schnaufen des Beatmungsgerätes wahr. Im Bett liegt eine 85jährige Frau, die keine Reaktionen zeigt. Das Zimmer ist hell und warm. Um sie herum sind Überwachungsgeräte, ein Monitor und ein Tropf für die künstliche Ernährung [1] aufgestellt.

Neben dem Bett sitzt Pfleger Mathias, der in regelmäßigen Abständen ihre Vitalwerte überprüft. Er umfasst ihre Hand und fragt, ob sie Schmerzen hat. Sie erwidert seinen Händedruck zweimal, was „nein“ bedeutet. Nur auf diese Weise ist eine Kommunikation möglich. Denn seitdem eine Trachealkanüle in ihre Luftröhre  eingesetzt wurde, kann Frau Weber nicht mehr sprechen. [2] Sie ist so schwach, dass auch das Schreiben nicht mehr möglich ist.

Frau Weber war selbstständige Steuerberaterin und hat bis Januar dieses Jahres noch gearbeitet. Sie klagte in letzter Zeit vermehrt über Rückenschmerzen und bekam schließlich einen Bandscheibenvorfall, der eine Querschnittslähmung zur Folge hatte. Frau Weber wurde daraufhin operiert. Ihre Diabetes-Erkrankung erschwerte den Krankheitsverlauf zusätzlich. Nach einer zweiten OP wurde sie durch eine Niereninsuffizienz dialysepflichtig. Zudem wurde eine PEG-Sonde zur künstlichen Ernährung eingesetzt. Schließlich bekam sie eine Lungenentzündung, die sich zu einer respiratorischen Insuffizienz entwickelte. Seitdem wird sie ständig beatmet und das Abgewöhnen von der invasiven Beatmung (Weaning) ist nicht mehr gelungen.

Die Tochter von Frau Weber hat die gesetzliche Betreuung ihrer Mutter übernommen. Trotz ihres Vollzeitjobs und ihrer drei Kinder stellt Lisa Grünwald* sich dieser Aufgabe. Frau Grünwald: „Eine Betreuung ist schon stressig, also 10 Stunden pro Woche bringe ich mindestens ein. Doch ich bin froh, dass ich mich dafür entschieden habe. Ein Betreuer aus der Familie kann doch am ehesten einschätzen, was der Patient möchte. Auch wenn das nicht immer einfach ist. Da sich der Gesundheitszustand meiner Mutter ständig veränderte, musste ich immer wieder neu überlegen, welche Betreuungsform geeignet ist: Geriatrie, Reha, oder Pflegeheim. Doch jetzt bin ich mir ganz sicher, dass eine Versorgung zu Hause die beste Lösung ist. Das hätte sich meine Mutter auch gewünscht.“

Der Dienstleister für Intensive Care wurde Frau Grünwald vom Sozialdienst des Krankenhauses empfohlen. Ein Team von 5 Pflegefachkräften versorgt die Intensivpflegepatientin rund um die Uhr. Frau Grünwald: „Die Organisation der Pflege funktioniert gut. Die Pflegekräfte kümmern sich liebevoll um meine Mutter, lagern sie häufig um und mobilisieren die Gelenke. Sie überwachen den Respirator, saugen regelmäßig den Schleim ab und arrangieren die Nahrungsaufnahme über die PEG-Sonde.“

Obwohl viele Körperfunktionen der Patientin nicht mehr vorhanden sind, kann durch eine gute Pflege die Lebensqualität verbessert werden. Bewegung und Gymnastik, wenn auch nur in geringem Maß möglich, regen den Kreislauf an und bewirken, dass sich der Betroffene wohler fühlt. Auch eine gute Körperhygiene, Fußpflege oder das Einmassieren von Pflegelotionen erhöhen die Lebensqualität.
Frau Grünwald: „Das Schlimmste ist es, diesen emotionslosen Körper vor mir liegen zu sehen. Meine Mutter hat immer gerne und viel geredet. Jetzt dieses andauernde Schweigen zu ertragen, das ist sehr schwer für mich. Trotzdem versuche ich, die noch vorhandene Sinneswahrnehmung zu aktivieren. Aus einem CD-Spieler läuft Musik, die sie von früher kennt. Und den Raum, in dem sie gepflegt wird, hat sie selbst eingerichtet. Hier habe ich auch nichts verändert, hier fühlt sie sich wohl.“

Frau Grünwald ist mit den Möglichkeiten der modernen Palliativmedizin vertraut. „Tod und Sterben sind für mich keine Tabuthemen. Ich habe bewusst einen Theologen mit dem Spezialgebiet Ethik nach Hause bestellt, um das Gespräch innerhalb der Familie anzuregen. Ich wollte offen besprechen, in welchen Situationen (z.B. Herzkreislaufstillstand) keine Wiederbelebungsmaßnahmen eingeleitet werden sollen.

Immer mehr Menschen entscheiden sich inzwischen dafür, einen schwerkranken Angehörigen in der letzten Phase seines Lebens zu Hause zu begleiten. Dabei kommen bestimmte Anforderungen auf die Familie zu. Der Lebensrhythmus orientiert sich an den Bedürfnissen des Kranken und es entstehen existentielle Situationen, mit denen es umzugehen gilt. Frau Grünwald: „Eines Tages hatte meine Mutter plötzliche Atemnot. Wir riefen den Notarzt, doch ein Transport ins Krankenhaus  wäre kritisch gewesen, denn sie war so schwach, dass sie den Weg wahrscheinlich nicht überlebt hätte. In diesem Moment meinem Vater zu sagen, dass sie besser zu Hause bleibt und keine Einweisung ins Krankenhaus erfolgt, das war sehr schwierig. Der Notarzt hat das übernommen und auch den Rest der Familie überzeugt. Ihm bin ich bis heute überaus dankbar.“

Therapon24 – ganzheitliche Intensivpflege
Therapon24 ist seit dem Jahr 2009 im Intensivpflegebereich tätig. Der Anbieter von Care Services arbeitet eng mit den Krankenhäusern zusammen, sodass ein Palliativ-Care Team aus Ärzten, Pflegern und Therapeuten für den Patienten zur Verfügung steht. Therapon24 entwickelt ein umfassendes Pflegekonzept, um eine qualifizierte häusliche Versorgung zu realisieren. Dabei wird pflegebedürftigen Menschen ermöglicht, weitgehend ihre selbständige Lebensführung in einem privaten Umfeld zu erhalten. Eine qualifizierte Informationsvermittlung ermöglicht es Ihnen, den Umfang einer Intensivpflege zu Hause abschätzen zu können. Eine psychosoziale Begleitung von Patienten und Angehörigen wird ebenfalls von Therapon24 angeboten.

*Namen geändert

[1]  Ein künstlicher Zugang zum Magen ermöglicht, dass ein Patient mit Flüssignahrung ernährt werden kann. Die PEG-Sonde verläuft durch die Haut und die Bauchwand. Mittels einer Ernährungspumpe wird die Flüssignahrung direkt in den Magen geleitet.
[2]  Die Stimmbildung ist das Resultat einer komplexen Interaktion verschiedener Körperteile und -funktionen. Grundsätzlich werden bei der Ausatmung die Stimmbänder im Kehlkopf durch die Atemluft zum Schwingen gebracht und der daraus entstehende Klang im Vokaltrakt verstärkt und hörbar gemacht. Die Trachealkanüle in der Luftröhre behindert diesen Vorgang, da ein beträchtlicher Teil der Ausatemluft nun durch die Kanüle austritt und daher die Stimmbänder und die oberen Atemwege gar nicht erreicht. Es kann jedoch gelingen, durch die Verwendung von speziellen sprachunterstützenden Hilfsmitteln und Techniken eine zufriedenstellende Stimmbildung zu erreichen.