Arbeitsassistenz

Arbeitsassistenz

Was ist Arbeitsassistenz?

Eine Arbeitsassistenz unterstützt Menschen mit Beeinträchtigungen am Arbeitsplatz – je nach Bedarf zum Beispiel indem sie Handreichungen erledigt, Texte vorliest oder als Telefon-Dolmetscher fungiert. Sie übernimmt Hilfstätigkeiten, die regelmäßig nötig sind und nicht zu den Hauptaufgaben des:der Betroffenen zählen. Dadurch können Arbeitnehmer:innen mit Beeinträchtigungen in das Berufsleben einsteigen oder ihre Beschäftigung erhalten. Aber auch nach einem Unfall oder einer längeren Krankheit können Betroffene mit Hilfe einer Arbeitsassistenz wieder in ihren beruflichen Kontext einsteigen.

Voraussetzungen für eine Arbeitsassistenz

Wer kann eine Arbeitsassistenz erhalten?

Eine Arbeitsassistenz steht prinzipiell beeinträchtigten Arbeitnehmer:innen zu, die einen regulären Arbeits- bzw. Ausbildungsplatz im Sinne des Bundesteilhabegesetzes (BTHG) sowie eine regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit von mindestens 15 Stunden haben. Ein befristetes Arbeitsverhältnis muss eine Dauer von mindestens acht Wochen aufweisen. Auch Selbstständige mit Beeinträchtigung haben übrigens einen Anspruch auf eine Arbeitsassistenz.

Arbeitsassistenz wird bei allen Beeinträchtigungen geprüft

Körperliche Beeinträchtigung

Geistige Beeinträchtigung

Seelische Beeinträchtigung

Weitere Voraussetzung für eine Arbeitsassistenz ist ein Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50 oder eine Gleichstellung bei einem GdB von 30.

Notwendig wird eine Arbeitsassistenz, wenn Sie als schwerbehinderte oder gleichgestellte Person nur dadurch den allgemeinen Anforderungen Ihres Berufes / Ihres Arbeitsplatzes gerecht werden können. Der Unterstützungsbedarf betrifft dabei nur Nebentätigkeiten – die Kernaufgaben und -inhalte Ihrer Arbeit können und sollen Sie selbst erledigen.

Beispiel:
Eine sehbeeinträchtigte Person ist als Sachbearbeiter:in in einem Sozialamt tätig und benötigt zum Vorlesen von Berichten / E-Mails eine Arbeitsassistenz. Die sachlichen und fachlichen Entscheidungen trifft die sehbeeinträchtigte Person (weiterhin) selbst.

Mann im Rollstuhl arbeitet am Computer am Schreibtisch

Auch Ihr Arbeitgeber muss seinerseits Maßnahmen treffen, um Ihnen selbstständiges Arbeiten zu ermöglichen. Dazu zählen:

  • Die Gestaltung des Arbeitsplatzes gemäß Ihren Einschränkungen, zum Beispiel eine spezielle Software
  • Eine beeinträchtigungsgerechte Organisation der Arbeitsabläufe
  • Eventuelle personelle Unterstützung durch eigene Mitarbeiter:innen des Unternehmens

Sollten die Maßnahmen Ihres Arbeitgebers nicht ausreichen, haben Sie die Möglichkeit, eine Arbeitsassistenz zu beantragen.

Prüfmerkmale für Arbeitsassistenz / Checkliste

  • Ich habe einen Behinderungsgrad von 50 bzw. mehr oder eine Gleichstellung von 30
  • Ich habe eine befristete Arbeitsstelle mit einer Dauer von mindestens
    acht Wochen (in Ausblick) oder eine unbefristete Arbeitsstelle
  • Ich habe eine wöchentliche Arbeitszeit von mindestens 15 Stunden
  • Ich habe einen regelmäßigen, wiederkehrenden Unterstützungsbedarf bei Hilfstätigkeiten
  • Alle Unterstützungsmöglichkeiten des Arbeitgebers sind ausgeschöpft,
    reichen aber nicht für den Hilfebedarf aus

Organisation der Arbeitsassistenz

Wenn bei Ihnen ein Bedarf für Arbeitsassistenz ermittelt wurde, sind Sie selbst dafür zuständig, diese zu beauftragen. Grundsätzlich gibt es dafür zwei Möglichkeiten:

Arbeitsassistenz selbst einstellen

Sie können die Assistenzkraft selbst ein- und anstellen. In diesem Fall müssen Sie sozialversicherungs- und steuerrechtliche Regelungen beachten. Hierbei wird Ihnen (als Arbeitnehmer:in) eine monatliche Summe von der zuständigen Behörde zur Verfügung gestellt, um Ihre Assistenzkraft zu bezahlen.

Arbeitsassistenz über Therapon24

Alternativ können Sie uns beauftragen und wir kümmern uns darum, eine geeignete Arbeitsassistenz zu finden. Für Sie entstehen dabei keine Arbeitgeberaufwände bzw. -aufgaben.

Wir ermöglichen auch die Vertretung, wenn der:die zuständige Arbeitsassistent:in erkrankt ist oder Urlaub hat. Entscheiden Sie sich für dieses Dienstleistermodell, wird die Unterstützungsleistung anhand von Stunden pro Woche berechnet. Diese Zeit (alternativ monatlicher Betrag) wird Ihnen gegenüber schriftlich bewilligt. Nach Arbeitsaufnahme und Arbeitsausführung wird dieser Betrag aber direkt vom zuständigen Amt an den Dienstleister bezahlt. Aufgrund der einzuhaltenden Regularien und des Aufwands ist das Dienstleistermodell für Menschen mit Beeinträchtigungen oft die angenehmere Variante.

Sie benötigen eine Arbeitsassistenz?

Sprechen Sie uns gerne an:
Tel. 06152 97797-0

Weitere Informationen finden Sie auch in unserer Broschüre

Arbeitsassistenz-Broschüre

Arbeitsassistenz beantragen

Zunächst gilt es herauszufinden, welcher Träger in Ihrem Fall eine Arbeitsassistenz finanzieren würde. Das folgende Schaubild verdeutlicht die Zuständigkeiten:

Arbeitsassistenz Schaubild

Im ersten Schritt listen Sie als Arbeitnehmer:in Ihre Tätigkeiten auf und benennen, wann genau Sie Hilfe / Assistenz / Unterstützung benötigen. Dabei geben Sie an, wie hoch der jeweilige Zeitbedarf ist und wie oft diese Tätigkeiten anfallen. Achten Sie hierbei darauf, welche Hilfen durch technische Unterstützung und welche Hilfen durch Personen erbracht werden sollen.

Danach erfolgt eine mengenmäßige und zeitliche Prüfung, die in einen Leistungsbescheid mündet. Sie erhalten anschließend eine Trägerliste durch das zuständige Amt. Gemäß Ihrem Wunsch- und Wahlrecht reichen Sie nun eine Information beim zuständigen Träger ein, mit welchem Dienstleister Sie arbeiten möchten – unterstützt von einem schriftlichen Angebot des Dienstleisters.

Antragsformulare und Anlagen

Sie haben noch Fragen rund um das Thema Arbeitsassistenz oder zur Antragsstellung selbst? Dann rufen Sie uns gerne an. Wir beraten und unterstützen Sie von Anfang an.

Die Antragsstellung erfolgt direkt beim zuständigen Kostenträger.

Bei folgenden Stellen finden Sie die notwendigen Formulare und Kontaktdaten:

Integrationsamt LWV: Zum Antrag

Agentur für Arbeit:
0800 455 5500

Deutsche Rentenversicherung:
0800 1000 4800

Informationen für Arbeitgeber

 

Sie als Arbeitgeber:in können für Mitarbeiter:innen mit Beeinträchtigung Voraussetzungen schaffen, um die Selbstständigkeit am Arbeitsplatz zu erhöhen, sodass der Umfang einer Arbeitsassistenz so gering wie möglich ausfällt.

Folgende Voraussetzungen könnten geschaffen werden:

  • Gestaltung des Arbeitsplatzes gemäß den beeinträchtigungsbedingten Einschränkungen, beispielsweise durch spezielle Software
  • Beeinträchtigungsgerechte Organisation der Arbeitsabläufe
  • Eventuelle personelle Unterstützung durch eigene Mitarbeiter:innen des Unternehmens

Das Integrationsamt für Menschen mit Behinderung bietet folgende Unterstützungsangebote / Leistungen für Sie als Arbeitgeber:

  • Informations- und Beratungsleistungen
  • Arbeitsmittel, abhängig von der Art der Beeinträchtigung
  • Leistungen, um NEUE Arbeitsplätze zu schaffen, die beeinträchtigungsbedingt angepasst bzw. ausgebaut werden müssen
  • Personenbedingte finanzielle Förderungen